Klimaschutz in Eitorf

Sina Pfister, Bürgermeister Rainer Viehof und Sophia Schneider.
Sina Pfister, Bürgermeister Rainer Viehof und Sophia Schneider.

Klimaschutz...

... ist ein Querschnittsthema und geht alle etwas an! Die Wissenschaft bestätigt immer wieder, wie wichtig es ist, jetzt zu handeln. Bekämpfen können wir den Klimawandel nur gemeinsam – Kommunen nehmen eine Schlüsselrolle ein und sind lokale Player bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015.


Eitorf hat seit dem 1. Februar 2022 zwei Klimaschutzmanagerinnen, die damit beauftragt sind in den kommenden zwei Jahren ein Klimaschutzkonzept für die Gemeinde zu erstellen. Schwerpunkte des Konzeptes werden öffentliche Gebäude, Mobilität, kommunale Beschaffung und IT-Infrastruktur sein. Die beiden – Sophia Schneider und Sina Pfister – teilen sich die Stelle und setzen ihr breit gefächertes Kompetenzspektrum für den Klimaschutz der Gemeinde Eitorf ein. Die Stelle wird zu 100% vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags gefördert.

Ganz wichtig ist dabei, dass es beim Klimaschutz nicht nur um Verzicht gehen muss, sondern auch viel zu gewinnen gibt. Eine verbesserte Infrastruktur für Fahrräder und öffentlichen Nahverkehr sorgt individuell für die Freiheit, weniger Fahrten mit dem Auto zurücklegen zu müssen und kann so die eigene Gesundheit verbessern. Gleichzeitig trägt ein verringertes Autoaufkommen im Zentralort zu einer besseren Luftqualität, mehr Gesundheit, mehr Ruhe und vor allem mehr Sicherheit bei. Energiesparen und dezentrale Energiegewinnung verringern Kosten und Abhängigkeiten von anderen Ländern.

Auch in der Vergangenheit gab es in der Eitorfer Verwaltung und im Gemeinderat Klimaschutzbemühungen, so gab es schon recht früh ein Blockheizkraftwerk hinter dem Gymnasium, oder Photovoltaikanlagen z.B. auf dem Hochbehälter. Auch nahm die Verwaltung am European Energy Award teil und unterstützte die Bekämpfung der Herkulesstaude, für den die Ehrenamtler den Klimaschutzpreis 2021 erhielten. Leider fehlten häufig die finanziellen Mittel sowie eine Gesamtstrategie für diese komplexen Herausforderungen.

Neue Klimaschutzbeauftragte in Eitorf

Die Gemeinde Eitorf hat ab sofort zwei Klimaschutzbeauftragte: Sina Pfister und Sophia Schneider.

Die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit geförderten Mitarbeiterinnen sind nun unter .Klimaschutz@eitorf.de erreichbar. Gerne, können Bürger*innen Ihre Anliegen formulieren und unseren Mitarbeiterinnen zukommen lassen.

„Der Auftrag der zwei Klimaschutzmanagerinnen für die kommenden zwei Jahre ist ein Klimaschutzkonzept für die Gemeinde Eitorf zu erstellen. Dieses Konzept soll den Weg der Gemeinde Eitorf in Richtung Klimaneutralität aufzeichnen. Schwerpunkte werden hierbei Gebäude und Mobilität sein. Es sollen in enger Zusammenarbeit mit der Energieagentur Rhein-Sieg konkrete Maßnahmen erarbeitet und - wo möglich - sofort umgesetzt werden, um die CO2-Emissionen der Gemeinde konkret zu senken. Dadurch sollen auch Energiekosten der Gemeinde eingespart werden. Weil Klimaschutz alle Bürger*innen betrifft, wird es einen Bürgerbeteiligungsprozess geben, an dem Sie eingeladen sind sich zu beteiligen. Die Stellen sind zu 100 Prozent gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Die beiden gebürtigen Eitorferinnen, die nach längerer Abwesenheit für Studium und Beruf wieder zurück in ihrer Heimat sind, freuen sich ihr breites Kompetenzspektrum für die Gemeinde Eitorf einsetzen zu dürfen und planen als Team mit unterschiedlichen Schwerpunkten eng zusammen zu arbeiten. Sina Pfister hat als Sozialwissenschaftlerin im Rahmen ihres Dissertationsprojekts einen Bürgerbeteiligungsprozess zur Energiewende in einer chilenischen Kleinstadt durchgeführt und möchte nun von den Eitorfer Bürger*innen lernen, was sie über Klimaschutz denken und was sie benötigen würden, um selber mehr für den Klimaschutz zu tun. Sophia Schneider wird sich als Ingenieurin für Energietechnik auf die Analyse des Ist-Zustands der Gemeinde im Bereich Energiemanagement konzentrieren und nach Einsparpotenzialen suchen.“

Das Klimaschutzkonzept...

...soll ein Leitfaden dafür sein, wie Eitorf in den nächsten 10 Jahren und darüber hinaus strukturiert den Klimaschutz voranbringen kann und somit auch für seine Bürger*innen als Vorbild fungieren kann. Die Treibhausgasemissionen der Verwaltung und der kommunalen Liegenschaften stellen dabei einen eher geringen Anteil der Gesamtemissionen der Gemeinde dar. Dennoch ist es wichtig, dass die Kommune als gutes Beispiel voran geht. Sie entlastet damit den eigenen Haushalt, verbessert die Lebensqualität für ihre Bürger:Innen und ist die Schnittstelle für Klimaschutzmultiplikatoren (z.B. Unternehmen, Schulen, Kindertagesstätten, Vereine, etc.). Besonders wichtig ist der Klimaschutz innerhalb einer Verwaltung auch deshalb, weil die Verwaltung in Zusammenarbeit mit der Politik in vielen für den Klimaschutz relevanten Bereichen die Weichen für die Zukunft stellt. Es werden Flächennutzungspläne und Bebauungspläne beschlossen, Bauvorhaben geplant und umgesetzt, Parkplätze und Lade-Infrastrukturen für E-Mobilität verwaltet, über den ÖPNV verhandelt, Bildungseinrichtungen koordiniert und vieles mehr.

Die Erstellung von gemeindlichen Klimaschutzkonzepten wird von der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert (mehr Info siehe unten) und muss unter bestimmten Voraussetzungen erarbeitet werden. Das Klimaschutzkonzept sollte Sektor übergreifend sein und die Bürger der Kommune werden bei der Erstellung miteinbezogen in Form eines Bürgerbeteiligungsprozesses. Es müssen klare kurz- und langfristige Klimaschutzziele formuliert werden und Kontrollmechanismen vorgeschlagen werden, mit denen die Erreichung der Ziele überprüft werden kann.

Ein solches Klimaschutzkonzept hat außerdem ein weitestgehend vorgegebenes Grundgerüst. Zunächst muss ein qualitativer und ein quantitativer Ist-Zustand erhoben werden. Die qualitative Ist-Analyse beschreibt die Strukturen innerhalb der Gemeinde: Was sind die topografischen und demografischen Gegebenheiten? Wie hat sich die Kommune in den letzten Jahren entwickelt? Welche Klimaschutzmaßnahmen gab es in der Vergangenheit und welche gibt es aktuell? Wer sind die relevanten Akteur*innen innerhalb der Gemeinde? Bei der quantitativen Ist-Analyse geht es um die Erstellung einer Treibhausgasbilanz sowohl für die Verwaltung als Einheit, als auch für die Kommune als Ganzes, also inklusive Privathaushalte, Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und Abwasser. Auf Basis dieser Ist-Zustände werden Potenzialanalysen, ein Maßnahmenkatalog und ein Klimaschutzberichtwesen entwickelt.

Der Bürgerbeteiligungsprozess...

... sollte viele verschiedene Akteure innerhalb der Gemeinde miteinbeziehen, wie zum Beispiel Schulen, Kindergärten, Unternehmen, Ratsfraktionen, (Sport-)Vereine, Kirchen, einzelne Bürger u.v.m.. Bei den Interviews und Gruppendiskussionen gibt es verschiedene Zielsetzungen. Zunächst gibt es einen explorativen Prozess, bei dem es darum geht von den Bürgern zu lernen, wie sie zum Thema Klimaschutz stehen, was sie sich von der Gemeinde wünschen würden, um selbst mehr Klimaschutz zu betreiben, und wie sie den Weg in die Klimaneutralität der Gemeinde gern mitgestalten würden. Später geht es dann darum, dass die Akteure konkrete Maßnahmenpakete oder den Entwurf des Klimaschutzkonzepts kommentieren und mitevaluieren. Dies geschieht mit dem Ziel der Legitimation des Konzepts in der Bürgerschaft, sowie der breiten Sensibilisierung aller Akteure für den Klimaschutz. Haben Sie Interesse in irgendeiner Form am Bürgerbeteiligungsprozess teilzunehmen? Dann melden Sie sich gern bei uns: klimaschutz@eitorf.de oder 02243 – 89123.

Wir sind...

...Sophia Schneider und Sina Pfister, beide gebürtige Eitorferinnen und Abiturjahrgang 2009. Nach längerer Abwesenheit für Studium und Beruf sind wir nun seit einiger Zeit wieder zurück in der Heimat, beide inzwischen mit kleinen Kindern.

Sina Pfister ist Sozialwissenschaftlerin und bestens ausgebildet für Bürgerbeteiligungsprozesse und Netzwerk-Veranstaltungen. Im Rahmen ihres Dissertationsprojekts hat sie von 2018-2019 ähnliche Aktivitäten in einer chilenischen Kleinstadt durchgeführt und freut sich nun, mit den Eitorfer Bürger*innen zusammenzuarbeiten

Sophia Schneider hat Energietechnik in Karlsruhe studiert mit dem Focus auf Technologien für energieeffiziente Gebäude. Beim Stromversorger EnBW konnte sie darüber hinaus in verschiedenen Projekteinsätzen als Trainee und Referentin im Stromhandel die gesamte Kette der Stromerzeugung kennen lernen und hat nebenher einiges über Projektmanagement gelernt. Sie wird sich zunächst vor allem auf die Analyse des Ist-Zustands der Gemeinde im Bereich Energiemanagement konzentrieren und Einsparpotenziale identifizieren.

Es gibt konkrete Klimaschutzprojekte...

... an denen wir neben dem Klimaschutzkonzept mitbeteiligt sind, um schon vor Fertigstellung des Konzepts Treibhausgasemissionen zu sparen und hierbei auch die Bürger*innen und Institutionen mitzunehmen.

  • Europäische Mobilitätswoche 2022: Bereits im vergangenen Jahr hat die Gemeinde Eitorf mit großem Erfolg zum ersten Mal an der seit 2002 bestehenden Initiative teilgenommen. Organisiert wird und wurde die Mobilitätswoche von verschiedenen Akteuren. Neben der Gemeindeverwaltung, waren der ADFC Obere Sieg e.V. sowie der Klima-Treff Eitorf im Organisationsteam. Zusammengearbeitet wurde im Verlauf mit allen Eitorfer Schulen, der RSVG, der BürgerEnergie Rhein-Sieg eG, der Eitorfer Tafel (Fahrradwerkstatt) und vielen mehr.
  • Jobwärts-Programm: Im September 2022 nimmt die Gemeindeverwaltung voraussichtlich zum zweiten Mal an diesem Programm teil, welches Mitarbeiter*innen die Möglichkeit gibt, über den Zeitraum von vier Wochen ein alternatives Verkehrsmittel für den Arbeitsweg (anstelle des Autos) auszuprobieren. Das Programm stellt die verschiedenen, umwelt-und klimafreundlichen Verkehrsmittel zur Verfügung und es wird eine Anfangs- und Endevaluation durchgeführt.
  • Schnellchecks kommunaler Liegenschaften durch die Energieagentur Rhein-Sieg e.V. im Jahr 2022. Die Energieagentur Rhein-Sieg e.V. bietet auch viele Informationsveranstaltungen zum Bauen und Sanieren, Energiesparen, und Fördergeldern, sowie individuelle Energieberatungen an.
  • E-Ladeinfrastruktur an Markt und Rathaus

In Planung

  • PV-Anlagen
Der Projektträger Jülich (PtJ)...

... war bis vor kurzem der Projektträger für die geförderte Erstellung eines gemeindlichen Klimaschutzkonzepts und für die Einstellung von Klimaschutzmanager*innen. Zum 1. Januar 2022 wechselte die Zuständigkeit auf die ZUG gGmbH. Mehr Informationen hier.

Die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH...

... ist eine bundeseigene Gesellschaft, die vom Bundesumweltministerium gegründet wurde. Sie unterstützt das Bundesumweltministerium bei der Umsetzung von nationalen und internationalen Förderprogrammen. Mehr Informationen hier.

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI)...

...initiiert und fördert das Bundesumweltministerium seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zur Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen und Bildungseinrichtungen. Mehr Informationen hier.