Information von Bürgermeister Rainer Viehof

Sachstand zur Querung der Bahngleise

Geehrte Eitorfer Bürgerinnen und Bürger,


ich möchte Sie über den Sachstand der schrankenlosen Bahnquerung informieren.

Die Bahntieferlegung war ein Thema in meinem Wahlkampf. Diese Maßnahme sehe ich als wesentlich für eine zukünftige Entwicklung von Eitorf an. Bislang kannte ich nicht den genauen Sachstand über die Planungsphase der vom Rat beschlossenen Bahnüberführung Brückenstraße.

Ich hatte zunächst die Informationen aus dem Rathaus abgefragt. Zudem war ich am 04.12.2020 bei der Bezirksregierung Köln und habe mich über Planungsänderungen in Bezug auf die Bahntrassierung informiert. Zum Jahreswechsel kam der Schlussbericht zum Bahnübergang Siegstraße ins Haus. Seit dem 26.02.2021 kann ich Ihnen hierzu aber genauere Informationen mitteilen.

Für die Bahn bestehen bei der Planung und dem Betrieb die Grundsätze

Fernverkehr vor Nahverkehr

und

Güterverkehr vor Personenverkehr.

Der derzeitige Planungsstand zum Ersatz des Bahnübergangs Brückenstraße durch eine Bahnüberführung sieht wie folgt aus:

  • das Lärmgutachten wurde zu Jahresanfang 2021 in Auftrag gegeben
  • die Planungsunterlagen für die Baumaßnahmen am Eipbach werden zusammengestellt
  • die Bahn wird im Juni/Juli 2021 die Vorentwurfsplanung vorlegen
  • Beauftragung im 3. Quartal eines Planungsbüros zur Erstellung einer Fußgängerzone im Bereich des offengelegten Eipbaches
  • der Freiraum vor der jetzigen Feuerwache soll für den Aufenthalt von Fußgängern qualitativ gesteigert werden
  • Funktional soll ein Bus- und Wendeplatz mit Haltebereich errichtet werden
  • die städtebauliche Freiraumplanung ist bis Ende des Jahres 2021 vorgesehen und die haushälterische Sicherung erfolgt hierzu in den Beratungen zum Doppelhaushalt 2022/2023

Wenn man eine Bahntieferlegung in Erwägung zieht, besteht Handlungsbedarf und die Zeit drängt. Die Niederlande sind bereits seit 2007 mit dem Ausbau der Bahnstrecke Rotterdam – Genua auf niederländischer Seite fertig. Diese Strecke von Rotterdam bis Genua auf deutscher Seite ist zumindest aus niederländischer Sicht nicht im Zeitplan.

Die Querverbindung von Köln nach Siegen ist Teil dieser Planung, um die überlastete Rheinstrecke zu umgehen.

Im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) sind hierfür 4,3 Mrd. Euro reserviert, um bis 2030 die Siegtalstrecke zweigleisig auszubauen. Wer den Güterverkehr mit dem Mittel der Verhinderung des zweigleisigen Ausbaus reduzieren möchte, betreibt Schattenboxen.

Der Ausbau wird kommen, der Güterverkehr wird mehr und es fragt sich nur wie.

2011 wurde das Gutachten über die Ausbauvarianten vorgestellt und es gab 2 Varianten, die in Frage kamen: Variante 3, die Bahnüberführung Brückenstraße und die Variante 8, Tieferlegung der Bahn. Die Tieferlegung war mit einer Kostenschätzung von 150 Mio. Euro als nicht finanzierbar eingestuft. Es kann festgestellt werden, dass die Hochstraße kein Problem darstellt, weil sie existiert. Die Beseitigung der Hochstraße und Verlagerung auf die tiefergelegte Bahntrasse wäre aber ein großer städteplanerischer Gewinn. Der Deckel der tiefergelegten Bahntrasse würde sich aus Landesstraßenbedarfsmitteln finanzieren lassen. Die Verlegung der L 333 auf die Bahntrasse war bei der Variante 8 nicht vorhanden und stellt weiteres städtebauliches Entwicklungspotential in Aussicht.

Der Bahnübergang Siegstraße soll beseitigt und mit einer geeigneten, kreuzungsfreien Lösung (nur) für Fußgänger und Radfahrer ersetzt werden – so der vorläufige Ansatz der DB aus dem Schlussbericht der Ingenieurgesellschaft Brilon Bondzio Weiser aus November 2020. Fußgänger und Radfahrer sollen dann über den Parkweg neben der Villa Gauhe die Bahnüberführung in den Park nutzen. Dort soll es dann über befestigte Wege und bei Dunkelheit auch mittels Beleuchtung weiter durch den Park gehen. Die zuständigen Gremien der Gemeinde werden damit noch befasst werden.

Wenn die Zahlen stimmen und wir in 24 Stunden mind. 120 Güterzüge auf unserer Strecke erhalten, dann sind dies zusätzlich mind. 5 Züge pro Stunde. Gehen wir einmal von 5 Zügen in jeder Stunde aus.

Auch wenn die Bahnüberführungen Spinner Weg und Bouraueler Brücke durch die BÜSTRA als geregelt gelten, so werden die Schranken am Spinner Weg erhebliche Schließzeiten haben, die dazu führen werden, dass noch mehr Fahrzeuge die Brückenstraße auch für das Zielgebiet Schoellergelände nutzen werden. Die Straße Am Eichelkamp wird geschätzt 3000 Fahrzeuge in 24 Stunden verkraften müssen, wobei auch jetzt schon 38-Tonner die falsche Querung am Bahnübergang Spinner Weg nutzen, die zumindest vereinzelt auch dazuzurechnen wären. Die durch Rechenmodelle dargelegten ca. 1400 Nutzer für die Straße Am Eichelkamp zum jetzigen Zeitpunkt, belaufen sich bei tatsächlichen Zählungen auf 2000 Fahrzeuge.

Ein weiteres Phänomen sind die Lärmschutzwände, die teilweise auf beiden Seiten der Bahnlinie installiert werden und sich dann durch Eitorf ziehen. Die genauen Planungen sind in Auftrag gegeben und wir werden sehen, wie sich die Baumaßnahme städtebaulich einfügt. Es könnte nun vielleicht geäußert werden, dass wir zunächst einmal die Bahnüberführung mit den notwendigen Lärmschutzwänden planen und umsetzen sollen. Klar ist dann aber auch, dass wir dies für uns und unsere nachfolgenden Generationen zementieren. Da wird sich in Zukunft nichts mehr bewegen lassen.

Am 02.02.2021 habe ich diesen TOP in den Ausschuss für Stadtplanung, Ortsentwicklung, Mobilität und Klimaschutz eingebracht, der dann zur weiteren Beratung in die Fraktionen verwiesen wurde.

Die Zeit drängt und der Rat hat diese Entscheidung zu treffen. Derzeit besteht ein Ratsbeschluss auf Umsetzung der Bahnüberführung Brückenstraße, die alle Vor- und Nachteile beinhaltet. Der Rat der Gemeinde Eitorf ist der Herr des Verfahrens und beschließt über das weitere Vorgehen. Allerdings sind die Vorgaben des Eisenbahnkreuzungsgesetzes zu beachten. Natürlich ist es notwendig, dass wir endlich diese Bahngleise schrankenlos überwinden können, die Frage ist nur wie und für welchen Preis.

Die Zeit drängt und die Bahn kann sich hierbei kein Spiel auf Zeit leisten.

So lange ich nicht weiß, woran die Bahntieferlegung tatsächlich scheitert, bin ich für diese Variante, die auf einem Kilomater 4 Bahnübergänge eliminiert und städtebauliche Akzente ermöglicht, die wir für die Zukunft dringend benötigen.

Ergänzende Infos finden Sie auf:

https://eitorf.info/wp-content/uploads/2020/09/200909_Bahntieferlegung_V_1.2.pdf

Ihr Bürgermeister
Rainer Viehof


Ergänzung:

(10.03.2021) Um Eitorf schrankenlos schön zu machen, bedarf es einer Tieferlegung der Bahn. Leider wurde versehentlich die Ratssitzung vom 18.01.2021 als Sitzung genannt, in der dieses Thema auf der Tagesordnung stand. Ich danke Herrn Timo Utsch von der FDP, dem dies auffiel, und entschuldige mich für dieses Versehen, denn es war richtiger Weise der 02.02.2021 in der Ausschusssitzung für Stadtplanung, Ortsentwicklung, Mobilität und Klimaschutz. Da eine Partei noch Beratungsbedarf hatte, wurde das Thema vertagt. Das Thema ist weit fortgeschritten und ich setze mich für die Themen aus meinem Wahlprogramm nach wie vor mit all meiner Kraft ein, um Eitorf in der Entwicklung nach vorne zu bringen.